..Lang ists her.. die Gruende, weshalb ich nicht mehr so viel schreibe:
Die erste Begeisterungswelle ist abgeflacht, der Alltag eingekehrt. Immernoch ist alles neu, aber mein Mitteilungsbeduerfnis ist nicht mehr so stark. ich fuehre auch kein Tagebuch mehr, verbringe meine freie Zeit am liebsten mit lesen, was meine Eltern jetzt vielleicht ueberraschen wird.. bin zu einer richtigen Leseratte geworden!
Aber es kamen doch ein paar Beschwehrden und ich fuehle mich verpflichtet, mal wieder was preis zu geben.
Mittlerweile bin ich sehr selbststaendig geworden, bewege mich auch gerne mal allein durch Bamako und spuehre die Freiheit noch ein Stueckchen mehr. Wenn ich Lust auf ein Kilo Bananen und Wassermelonen habe, zieh ich selber los und verhandle. Ins Fitnessstudio, zum Supermarkt oder zu einem Treffpunkt fahre ich mit dem Taxi - Hand raus und Preis verhandeln. Will einer mehr als angemessen ist, schicke ich ihn weiter. Das, was ich mir immer so schwer vorgestellt hatte, ist nun ganz leicht und die Selbststaendigkeit tut mir gut, da ich auch grossteils gute Erfahrungen und nette Bekanntschaften mache.
Ein Weisser bleibt aber leider nunmal ein Weisser und somit eine Attraktion. Das ist etwas, das mich ein bisschen runterzieht.. Man wird nie als gleichgestellt betrachtet, in der Oeffentlichkeit fuehle ich mich in meiner Haut wie in einem neongelben Leuchtanzug, unmoeglich nicht wahrgenommen zu werden. Ich habe es aufgegeben, auf groessere Maerkte zu fahren.. drueberschlaendern und sich in Ruhe die vielen schoenen Dinge ansehen? Unmoeglich! Staendig ist man umgeben von feurigen Haendlern, die dir ihre Ware um den Has haengen, in die Hand druecken und dich mit beschwoererischen, blitzenden Augen davon ueberzeugen wollen, dass ihre unerhoerten Preise Freundschaftspreise sind, dass die schlechte Qualitaet "handgemacht" oder "original" ist und machen mir Komplimente, waerend ihnen aus den Augen abzulesen ist, dass sie mich verfluchen werden, weigerte ich mich, etwas zu kaufen. Es gibt ein Sprichwort in Mali: "Toubabou na na, wari na na", was so viel heisst wie: "Kommt ein Weisser, kommt das Geld". Ich weiss, dass diese Menschen davon leben, ihre Ware zu verkaufen und dass sie arm sind, unvorstellbar arm.. aber ich kann nicht jedem etwas abkaufen und mich dabei maechtig uebers Ohr hauen lassen, das fuehlt sich scheisse an.
Am letzten Wochenende hab ich mich mit Freunden mal ins african night-life geschmissen.. Wir sind in eine Disco gefahren und haben die ganze Nacht getanzt! Das nachtleben hier unterscheidet sich fast in allen Punkten von dem in der Heimat. Hier ist jeder offen fuer den Anderen, zu 100 Prozent bereit, neue Bekanntschaften zu schliessen. Alkohol ist fast garnicht im Spiel, man amuesiert sich einfach so, ohne am Ende als Rauschkugel zu keinem Gespraech mehr faehig zu sein. Und Tanzen kann hier jeder! Niemand steht in der Ecke und starrt auf die Tanzflaeche, kaempfend mit seiner Unsicherheit, sich dem Spass auch hinzugeben. "ich bin noch zu nuechtern, um zu tanzen"- Mit dem Satz trifft man hier wahrscheinlich eher auf verwirrte Blick, als auf Verstaendnis. Auch wenn die Musik nicht immer ganz meinen Geschmack getroffen hat, konnte ich mich auf meinem Sitz nicht mehr still halten, der Bann war gebrochen. Hier ist keiner der Blicke pruefend oder sogar abwertend, jeder darf sein wie er ist und ploetzlich steht der Ausgelassenheit nichts mehr im Wege. Das war eine schoene Erfahrung!
Hm..es ist 23.00 Uhr und ich will noch ein bisschen lesen, also hoere ich an dieser Stelle mal wieder auf..
A bientot
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