Montag, 6. Dezember 2010

06.12.2010

Reisebericht, Teil 2..

..Als wir Manantali erreicht hatten, war die Sonne schon untergegangen. Eine Serpentinenstrasse fuehrte uns ins Tal, in dem das friedliche Dorf liegt. die kleinen Straesschen waren belebt von Tee kochenden, Zigaretten verkaufenden, palavernden Menschen und spielenden Kindern.
Wir waren alle sehr muede und erschoepft von den letzten turbulenten Kilometern und lissen uns im Hotel in die Sessel fallen, ohne noch viel zu sprechen. Wir hatten einen Bungalow gemietet, der mit Kueche, einem Bad und 4 Zimmern ausgestattet war, bald hatte jeder sein Bett gefunden und wir schliefen fest und lange, bis uns die Abenteuerlust in den Tag lockte.
Zuerst besuchten wir Souls und Adams Eltern, die auf einem kleinen Gehoeft im Dorfinneren wohnen. Sie sind beide schon sehr alt und so wurde es ein kurzer Besuch der wenigen Worte. Aber das war erst der Anfang! Da es als unhoeflich verstanden wird, wenn man in sein Dorf kommt und nicht alle Familien begruesst, die man kennt, haben wir den halben Tag damit verbracht, von Hof zu Hof zu ziehen. Das funktioniert so: Man tritt ein, begruesst sich mit den langen Begruessungsformeln wie: Aw ni tile! -nsee, aw ni tile!- Somogow  be di? -Tooro si te!- Here bi la wa? -Owo, here doron.... und so weiter.. "Guten Tag! -jaa, guten Tag! - Wie geht es den Deinen? -Alles gut!- Ist Frieden auf deinem Weg?- Ja, es herrscht immer Frieden!.. Dann werden mindestens 5 Segenssprueche ausgetauscht: Allah ka hine a la! Allah ka hine baara ke! Allah ka hine sugu la!.. Allah wird dir helfen, Allah ist mit dir bei der Arbeit, Allah ist mit dir auf dem Markt.. Darauf wird immer mit Amiina! geantwortet (Amen).. Bis man die Familienoberhaeupter damit durch hat vergehen 5-10 Minuten, dann wird einem ein Stuhl angeboten, man setzt sich und haelt kurzen Smalltalk, danach geht es weiter. Wir waren bei ca 15 Familien, haben  Stunden gebraucht und haben uns im Endeffekt nicht viel gesagt. Das ist auch nicht wichtig, Hauptsache, man hat sich besucht. Alle Familien waren bereits dabei die am Vormittag gschlachteten Hammel auseinanderzunehmen, untereinander aufzuteilen und zu grillen, ueberall waren Blutlachen, abgezogene Felle hingen ueber  Zaeunen und Strauchern, die in den kommenden Tagen im ganzen Dorf  den Geruch von Verwesung verbreiten sollten.. Die Felle werden dann wiederum verkauft und zu Trommeln verarbeitet. Hier ein paar Fotos:


Bei Familie Maiga: Mama, Anna, Souleymane, Papa


Schon etwas erschoepft bei einer der Familien. Rechts neben mir sitzt der selbsernannte Philosoph Manantalis :-) Er ist wirklich schlau und hat mir viel ueber dei Traditionen erzaehlt, das war interessant


Verteilen des Hammelfleisches


Bei einer von Souls Schwestern


Souls Papa, seine Schwester Adam und ein Onkel


Nach dem wir wieder ins Hotel zurueck gekehrt sind und uns bei Speis, Trank und einem kleinen Nickerchen erholt hatten, machten wir uns schick (Mami und ich) um in eine Bar zu gehen, Bier zu trinken, Tischtennis und Billiard zu spielen.. und ich hatte es hier mit absoluten Anfaengern zu tun!!
Mami hatte zum ersten mal einen Tischtennisschlaeger in der Hand und so fing das Match zimlich chaotisch an. Aber da Mami sehr ehrgeizig ist, liess sie sich den Schlaeger nicht aus der Hand nehmen, bis sich erste Erfolge zeigten. Das ist selten, vorallem bei malischen Frauen. Meistens geben sie schnell auf, wenn ihnen was neu ist und nicht gleich gelingt, aber Mami ist anders. Sie wollte auch unbedingt lernen wie  man Baendchen knuepft.. Nach 1 1/2 Stunden war sie schon richtig gut! Das hat mich beeindruckt.. Sidiki beim Billiard zuzuschauen war auch sehr amuesant :-) auch er hat zuvor noch nie Billiard gespielt, aber er hatte grosses Anfaengerglueck! Um ein Haar haette er mich sogar besiegt! 
So fing der Abend lustig an und ich war gerade richtig in Fahrt, als wir in die Dorfdisco von Manantali aufbrechen sollten. Ich wollte mich erst garnicht losreissen, da ich gerade einen Super Tischtennis-Gegner gefunden hatte, aber die Mehrheit hat mich dann ueberstimmt. Puh, die Disco war voll und es war heiss und laut. Afrikanische Beats und um die 300 jungen Menschen, die wild dazu tantzten. Danach war mir nicht zumute, da ich mich nicht so toll zur afrikanischen Musik bewegen kann, ganz im Gegensatz zu den Afrikanerinnen.. Ja, da hab ich dann auf einmal Komplexe, aber es ist auch nicht schoen, sich beim Tanzen unwohl zu fuehlen und dann noch von allen angestarrt zu werden. Ist ungefaehr genau so peinlich, wie zum Tanz aufgefordert zu werden und zu verweigern, aber mir ist letztere Variante dann doch lieber.. Als haette der DJ das gemerkt, legte er ein bisschen Hip hop auf und schon habe ich die Tanflaeche erobert (das koennen die Afrikanerinnen naemlich nicht so gut tanzen ;-D) Irgendwann war Souley etwas angetrunken und wir entschieden es sei besser, wieder ins Hotel zu fahren.. War ein schoener Abend, viele nette Leute, natuerlich und froehlich.  Das Nachtleben war fuer ein Dorf erstaunlich belebt, aber ganz anders als in Bamako natuerlich..


Beim "schick machen": Ich mach Mami die Haare..



...Mami macht mir die Haare


Mami beim Tischtennis...


..Ich beim Tischtennis! (Sichtlich amuesiert)




Dorfdisco bei Tag...



..Dorfdisco bei Nacht



Mami beim Tanzen..                                                     "kleiner Jackson" beim Tanzen

..Am naechsten Tag war Fischmarkt. Fisch is ja nicht so meins.. aber die Anderen waren ganz wild drauf! Waere auch eine Schande, in Manantali keinen Fisch zu essen, wo es doch direkt am Fluss liegt..
Die Fische haben zum Teil noch gelebt, als sie bei den Haendlern auf den Tischen lagen und haben scchwer nach Luft gerungen.. Diese Tierquaelerei hat mein Herz beruehrt, aber es war schon lange kein neuer Anblick mehr fuer mich. Die Malier -und ich denke die Afrikaner im allgemeinen- sind im Bezug auf Tiere nicht gerade sensibel, aber dieses Thema moechte ich jetz nicht unbedingt ausfuehren..
Da ich aber- zum Unverstaendnis aller Anderen- keinen Fisch zum Abendessen wollte, musste fuer mich eine Alternative gefunden werden.. Also kauften wir noch ein "Poullet" fuer mich ein, natuerlich noch lebendig. Das wurde dann lieblos in den hinteren Teil des Wagens geschmissen, mit den Worten "das ist jetzt dein Zimmer".. Ich habs dann auf den Schoss genommen und gestreichelt, was fuer meine Freunde ein bizarres Bild gewesen sein muss.. "Streichelst du dein Essen vorher immer?"
Da es aber auf dem Dorf so ist, dass kein Tier getoetet werden darf, ohne dass es vorher seinen "Segen" bekommt, brachten wir es zu Souleymans Vater, der den Segen aussprechen und ihm die Kehle durchschneiden sollte.. Er ist kein Mann der Worte, wie gesagt, er ist schon sehr alt.. aber als wir mit dem Poullet ankamen, schwang er sich fast jugendlich aus dem Sessel und wusste sofort, was zu tun war.. Ich wollte erst nicht zuschauen, aber dachte, dieses Tier stirbt schliesslich fuer mich, also kann ich auch nicht so tun, als waere das so grausam.. Ich dachte daran, wie abstrakt ein Huehnchen im Kuehlregal aussieht, garnicht wie etwas, das einmal lebte.. und dass die Massentierhaltung die bei uns ueblich ist, ein viel groesseres Verbrechen ist, als die Art, hier ein Tier zu schlachten. Es wird schliesslich auch gegessen! ..Es gluckste verzweifelt, als er das Messer ansetzte und gab noch lange Geraeusche von sich, als das Blut schon in Stroehmen floss.. Das tat mir so leid, aber es war zu spaet und nach ein paar Stunden war aus dem Poullet mein Abendessen geworden...
Souley hat es spaeter mit heissem Wasser uebergossen und gerupft, anschliessend in Zeitungspapier eingewickelt und es angezuendet, um es fuer den Kocktopf vorzubereiten.. Gekocht hat Mami, sie ist eine hervorragende Koechin! Zum Fisch und dem Poullet gabs Gebackene Bananen (Aloco) und eine feine Sosse....


Fische, Fische, Fische...




Sidiki und sein Fisch




Fischverkaeuferin




Poullet. das guckt schon so traurig :-(



..da ists bereits geschehn..



Und das hat Mami daraus gezaubert! (nichts fuers Auge, zugegebenermassen, aber das war sooooo lecker! Poullet, Bananen, Zwiebeln)


..Am naechsten Tag war die grosse Besichtigung des Stauwerks, aber es ist schon spaet geworden und ich muss mal ins Bett! Geh naemlich morgen frue zum Sport und da muss ich fit sein! ;-)
Der 3. Teil des Reiseberichts kommt dann an einem anderen Tag.. Ich hoffe, ich komme morgen dazu, denn am Samstag war Weihnachtsmarkt, darueber wollte ich auch noch schreiben und uebermorgen kommt mich mein Schwersterherz bereits besuchen!! Das wird fein, ich freu mich schon sooooo!!
Gute Nacht

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